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Menschen mit autistischen Lebenserschwernissen am ersten Arbeitsmarkt

Menschen mit autistischen Lebenserschwernissen am ersten Arbeitsmarkt

 

Nachbetrachtung zu unserer Veranstaltung am 01.09.2007 in Frankfurt zum Thema:

 

„Was kommt nach der Schule – Berufliche Rehabilitation von Menschen mit autistischen Syndromen“

 

Dass trotz geringem Werbeaufwand 42 Personen an dieser Veranstaltung teilnahmen, nehmen wir als gutes Zeichen, an diesem Thema dranzubleiben und gemeinsam an einer Verbesserung der miserablen Situation zu arbeiten. Vergessen wir nicht, dass in Deutschland

·         zurzeit nur 5 % unter den Asperger- und High-Functioning-Autisten trotz teilweise guten Schul- und Ausbildungsabschlüssen im ersten Arbeitsmarkt integriert sind

·         65 % in einer WfbM arbeiten

·         30 % arbeitslos sind und/oder von Sozialhilfe leben.

 

In anderen europäischen Ländern und den USA ist die Zahl der im ersten Arbeitsmarkt beschäftigten Autisten drei- bis viermal so hoch.

 

Zwei Erfahrungen aus dem Ausland

 

Beispiel 1: Firma Specialisterne in Dänemark

Aus Anlass eines Treffens der AG Asperger- und High-Functioning-Autisten  von autismus Deutschland e. V. (Bundesverband) am 5.10.2007 in Kassel referierte Thorkil Sonne über seine Firma Specialisterne in Dänemark. Herr Sonne ist Vater eines zehnjährigen Autisten und hat den Mut gefunden, seinen alten Job aufzugeben und eine Firma zu gründen, zu der zur Zeit 36 Menschen mit einer leichteren Form von Autismus und 14 Nichtbetroffene gehören. Im Prinzip handelt es sich um eine Zeitarbeitsfirma, die Be­trof­fenen sind haupt­sächlich in Büroberufen tätig. Dabei gelingt es offensichtlich durch die Beschäftigung in ihren Stärken, dass die sozialen Auffälligkeiten nicht so sichtbar werden.

Die Firma ist mittlerweile aus den roten Zahlen heraus, Herr Sonne möchte nicht nur in Dänemark expandieren, sondern auch in anderen europäischen Ländern aktiv werden. Der Haken an der Sache ist, dass das dänische Sozialsystem wie die Sozialsysteme anderer Länder auch anders als in Deutschland ist. In Dänemark erhalten Betroffene dauerhaft 50 bis 69% ihres Bruttogehaltes von den kommunalen Sozialbehörden, in Deutschland ist eine dauerhafte Unterstützungsleistung in dieser Höhe außerhalb der WfbM zur Zeit nicht vorgesehen. Die AG will jedoch gemeinsam mit dem Projekt Abensberg 2 (Sie erinnern sich noch an das Referat von Herrn Baumgartner?) nach Wegen suchen, Projekte für den ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Zum Referat von Herrn Sonne gibt es eine PowerPointpräsentation im Internet oder per email sowie eine DVD bei unserer Ge­schäfts­stelle. Wir suchen noch jemanden, der die DVD entsprechend der Anzahl der Interessenten professionell kopiert.

 

Beispiel 2: Das “TEACCH Supported Employment Program” in North Carolina USA

Mitte Oktober hatten wir Gelegenheit, mit Personen aus dem TEACCH Supported Employment Program in North Carolina USA zu sprechen. Seit 40 Jahren bemüht sich die Division TEACCH der Universität von North Carolina um eine Verbesserung der Lebens­qualität von Menschen mit Autismus, seit 20 Jahren auch mit der Vermittlung von Menschen mit Autismus auf dem ersten Arbeitsmarkt. Mittlerweile konnten mehr als 200 Betroffene vermittelt werden.

Ein Schwerpunkt beim TEACCH Supported Employment Program ist die sorgfältige Auswahl und Ausbildung der Arbeits­assisten­ten (jobcoaches). Sie bleiben bei der Ausübung ihrer Tätigkeit Angestellte der Division TEACCH. Ein anderer Schwerpunkt ist die individuelle Vorbereitung und die individuelle Betreuung der Betroffenen durch Assistenten vor Ort bei den Arbeitgebern. Neu für uns ist die Arbeit in „Mobile Crews“ (Mobile Teams mit einem Assistenten und bis zu drei Betroffenen) und nach dem „Group-shared Support Model“ (ein Assistent in einer Firma mit bis zu 5 Betroffenen, die in verschiedenen Abteilungen arbeiten können).

Unterlagen und ebenfalls eine DVD in englischer Sprache sind (hoffentlich bald) bei unserer Geschäftsstelle erhältlich.

 

Wo wollen wir hin?

Sowohl die Firma Specialisterne als auch das TEACCH Supported Employment Program zeigen, dass es Sinn macht, Menschen mit Autismus in Teams auszubilden und zu beschäftigen. Trotz aller Verschiedenheiten kommen Betroffene miteinander besser aus als von vielen erwartet. Gut qualifizierte Arbeitsassistenten können sich so um mehrere Betroffene kümmern.

Wir brauchen von allen Betroffen und/oder deren Eltern die Bereitschaft, sich als Gruppe zu verstehen und sich nicht mehr mit Einzel­maßnahmen zufrieden zu geben. Einzelmaßnahmen sind eher vom Scheitern bedroht. Das zeigt sich in der geringen Anzahl erfolgreicher Integration von Menschen mit Autismus auf dem ersten Arbeitsmarkt.

 

Fazit: wir wollen eine Integrationsfirma, die auf dem Markt nach dem Modell von Zeitarbeitsfirmen Arbeit akquiriert. Als Erfolg wäre zu sehen, wenn Betroffene Angebote von Kunden auf Übernahme erhalten. Dann könnten neue Betroffene in die Inte­gra­ti­ons­firma aufgenommen und zwischenzeitlich arbeitslos Gewordene aufgefangen werden.

 

Und wie ist Ihre Meinung dazu?

 

Bitte äußern Sie sich!

Heinrich Müller, Hammersbach