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Menschen mit autistischen
Lebenserschwernissen am ersten Arbeitsmarkt
„Was
kommt nach der Schule – Berufliche Rehabilitation von Menschen mit autistischen
Syndromen“
Dass trotz geringem Werbeaufwand
42 Personen an dieser Veranstaltung teilnahmen, nehmen wir als gutes Zeichen,
an diesem Thema dranzubleiben und gemeinsam an einer Verbesserung der
miserablen Situation zu arbeiten. Vergessen wir nicht, dass in Deutschland
·
zurzeit nur 5 % unter den Asperger- und
High-Functioning-Autisten trotz teilweise guten Schul- und
Ausbildungsabschlüssen im ersten Arbeitsmarkt integriert sind
·
65 % in einer WfbM arbeiten
·
30 % arbeitslos sind und/oder von Sozialhilfe leben.
In anderen europäischen Ländern
und den USA ist die Zahl der im ersten Arbeitsmarkt beschäftigten Autisten
drei- bis viermal so hoch.
Zwei Erfahrungen aus dem Ausland
Beispiel
1: Firma Specialisterne in Dänemark
Aus Anlass eines Treffens der AG Asperger- und
High-Functioning-Autisten von autismus
Deutschland e. V. (Bundesverband) am 5.10.2007 in Kassel referierte Thorkil
Sonne über seine Firma Specialisterne in Dänemark. Herr Sonne ist Vater eines
zehnjährigen Autisten und hat den Mut gefunden, seinen alten Job aufzugeben und
eine Firma zu gründen, zu der zur Zeit 36 Menschen mit einer leichteren Form
von Autismus und 14 Nichtbetroffene gehören. Im Prinzip handelt es sich um eine
Zeitarbeitsfirma, die Betroffenen sind hauptsächlich in Büroberufen tätig.
Dabei gelingt es offensichtlich durch die Beschäftigung in ihren Stärken, dass
die sozialen Auffälligkeiten nicht so sichtbar werden.
Die Firma ist mittlerweile aus den roten Zahlen
heraus, Herr Sonne möchte nicht nur in Dänemark expandieren, sondern auch in
anderen europäischen Ländern aktiv werden. Der Haken an der Sache ist, dass das
dänische Sozialsystem wie die Sozialsysteme anderer Länder auch anders als in
Deutschland ist. In Dänemark erhalten Betroffene dauerhaft 50 bis 69% ihres
Bruttogehaltes von den kommunalen Sozialbehörden, in Deutschland ist eine
dauerhafte Unterstützungsleistung in dieser Höhe außerhalb der WfbM zur Zeit
nicht vorgesehen. Die AG will jedoch gemeinsam mit dem Projekt Abensberg 2 (Sie
erinnern sich noch an das Referat von Herrn Baumgartner?) nach Wegen suchen,
Projekte für den ersten Arbeitsmarkt zu finden.
Zum Referat von Herrn Sonne gibt es eine
PowerPointpräsentation im Internet oder per email sowie eine DVD bei unserer Geschäftsstelle.
Wir suchen noch jemanden, der die DVD entsprechend der Anzahl der Interessenten
professionell kopiert.
Mitte Oktober hatten wir Gelegenheit, mit Personen
aus dem TEACCH Supported Employment Program in North Carolina USA zu sprechen.
Seit 40 Jahren bemüht sich die Division TEACCH der Universität von North
Carolina um eine Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Autismus,
seit 20 Jahren auch mit der Vermittlung von Menschen mit Autismus auf dem
ersten Arbeitsmarkt. Mittlerweile konnten mehr als 200 Betroffene vermittelt
werden.
Ein Schwerpunkt beim TEACCH Supported Employment
Program ist die sorgfältige Auswahl und Ausbildung der Arbeitsassistenten
(jobcoaches). Sie bleiben bei der Ausübung ihrer Tätigkeit Angestellte der
Division TEACCH. Ein anderer Schwerpunkt ist die individuelle Vorbereitung und
die individuelle Betreuung der Betroffenen durch Assistenten vor Ort bei den
Arbeitgebern. Neu für uns ist die Arbeit in „Mobile Crews“ (Mobile Teams mit
einem Assistenten und bis zu drei Betroffenen) und nach dem „Group-shared
Support Model“ (ein Assistent in einer Firma mit bis zu 5 Betroffenen, die in
verschiedenen Abteilungen arbeiten können).
Unterlagen und ebenfalls eine DVD in englischer
Sprache sind (hoffentlich bald) bei unserer Geschäftsstelle erhältlich.
Wo wollen
wir hin?
Sowohl die Firma Specialisterne als auch das TEACCH
Supported Employment Program zeigen, dass es Sinn macht, Menschen mit Autismus
in Teams auszubilden und zu beschäftigen. Trotz aller Verschiedenheiten kommen
Betroffene miteinander besser aus als von vielen erwartet. Gut qualifizierte
Arbeitsassistenten können sich so um mehrere Betroffene kümmern.
Wir brauchen von allen Betroffen und/oder deren
Eltern die Bereitschaft, sich als Gruppe zu verstehen und sich nicht mehr mit
Einzelmaßnahmen zufrieden zu geben. Einzelmaßnahmen sind eher vom Scheitern
bedroht. Das zeigt sich in der geringen Anzahl erfolgreicher Integration von
Menschen mit Autismus auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Fazit: wir wollen eine
Integrationsfirma, die auf dem Markt nach dem Modell von Zeitarbeitsfirmen
Arbeit akquiriert. Als Erfolg wäre zu sehen, wenn Betroffene Angebote von
Kunden auf Übernahme erhalten. Dann könnten neue Betroffene in die Integrationsfirma
aufgenommen und zwischenzeitlich arbeitslos Gewordene aufgefangen werden.
Und wie
ist Ihre Meinung dazu?
Bitte
äußern Sie sich!
Heinrich Müller, Hammersbach