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Kurzinformation: „TEACCH“

Kurzinformation: „TEACCH“

Anne Häußler 8/2000

TEACCH ist keine bloße Therapiemethode. Der Name „TEACCH“ steht für „Treatment and Edu­ca­tion of Autistic and related Communication handicapped CHildren“ und ist die Bezeichnung für das staat­liche Autismus-Programm im US Bundesstaat North Carolina. Dahinter verbirgt sich ein Netz­werk aus Einrichtungen, die in enger Zusammenarbeit mit den Familien von Betroffenen und anderen Dienst­leistungsträgern eine lebenslange Förderung und Begleitung von Menschen mit Autismus bereit­stellen. Die Aufgaben umfassen neben Diagnostik, För­derung und Beratung auch wissen­schaftliche Forschung sowie die Ausbildung von Fachleuten, die im Autismusbereich arbeiten.

Das TEACCH Programm ist keineswegs neu – seine Anfänge gehen in die 60er Jahre zurück. Das im Rahmen dieses Programms ent­wickelte Konzept orientiert sich an folgenden Grundprinzipien:

Ø      Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse über Autismus

Ø      Auf den Einzelfall zugeschnittene Hilfen

Ø      Zusammenarbeit mit den Eltern/Familien

Ø      Einbeziehung unterschiedlicher (wissenschaftlich fundierter) Methoden

Ø      Ganzheitliche Sichtweise

Ø      Förderung auf der Basis einer Diagnostik, die versucht, das Verhalten des Kindes/Erwachsenen zu verstehen

Ø      Ansetzen an den Stärken

Ø      Verhaltenssteuerung durch den Versuch, Verhaltensregeln einsichtig zu machen
(Verstehen statt Dressur!)

 

Das Ziel ist die größtmögliche Selbständigkeit und Maximierung der Lebensqualität für Menschen mit Autismus.

Das methodische Vorgehen basiert auf entwicklungspsychologischen und kognitiv-verhaltens­therapeutischen Konzepten. Ausgehend von den Besonderheiten in der Art, wie Menschen mit Autismus Reize aus der Umwelt verarbeiten, werden vielfältige Formen der Strukturierung ein­gesetzt, um ein Lernen und Verstehen zu ermöglichen. Struktur hilft Zusammenhänge zu erken­nen, Ereignisse vorhersehbar zu machen, Abläufe und Anforderungen zu durchschauen.

Dies setzt natürlich voraus, dass der/die Betroffene die Struktur auch erkennt! Um die Struktur zu verdeutlichen und zu vermitteln, nutzt man es aus, dass viele Personen mit Autismus Informationen besser aufnehmen, wenn sie diese sehen und nicht nur hören. Daher werden alle denkbaren Formen visueller Darstellung genutzt (z.B. Bilder, Gegen­stände, Markierungen, Schilder). Klare und für die jeweilige Person verständliche Struk­tu­rie­rungshilfen in bezug auf Raum, Zeit, Aufgabenstellung und Material können Menschen mit Autismus nicht nur Orientierung und Sicherheit bieten, sondern ihnen auch Wege zum eigenen Handeln eröffnen. Insofern, als Strukturierung allen Beteiligten einen Bezugsrahmen bietet, er­mög­licht sie vielfach erst einen Austausch und damit Kommunikation.

Die Methode des Structured Teaching, also der Förderung des Verstehens und der Selbständigkeit durch strukturierende Hilfen, ist unabhängig vom geistigen und sprachlichen Niveau der Betroffenen, da die Hilfen individuell gestaltet und an die jeweiligen Fähigkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Personen angepasst werden. Sie hat sich in vielen verschiedenen Situation des Lebens und Lernens bewährt (z.B. Schule, Wohngruppe, Arbeitsplatz, Familie).

Neben dem Bemühen, uns und unsere Welt dem Menschen mit Autismus gegenüber verständlicher zu machen, wird selbstverständlich auch großer Wert darauf gelegt, dem Betroffenen Wege und Möglichkeiten zu eröffnen, sich uns mitzuteilen. Die Suche nach individuellen Wegen zu effektiver Kommunikation stellt daher einen Kernpunkt im TEACCH- Konzept dar.